Der Fieseler Storch im Kriegsdienst

Entlassung aus dem Lazarett

Als ich auf unserem Flugplatz in Straubing einen Fieseler Storch fliegen sah, habe ich an diese Aufzeichnungen meines Vaters denken müssen. Sie knüpfen unmittelbar an die Zeit nach der Enlassung aus dem Lazarett nach dem schlimmen Unfall mit der Me 109 am 20.06.1942 um 19:02  an. (Zu lesen im Reiter Günther Rieger) Hier also die Geschichten mit dem Fieseler Storch:

 

...Keiner wusste, was mit mir in nächster Zeit geschehen sollte. Im Lazarett teilte man mir mit, dass ich wahrscheinlich zu einem Ersatztruppenteil versetzt werde, wo man meine weitere Wehrtauglichkeit erst feststellen müsse. Und so geschah es dann auch. Ich erhielt einen Marschbefehl zur Frontfliegersammelgruppe Quedlinburg. Dort traf sich alles, was aus irgendwelchen Gründen auch immer vorübergehend wehrfliegeruntauglich geworden war. Hier war gleichzeitig auch Sammelpunkt jener, die wegen Verstoßes gegen § 92(*) mit Festungshaft bestraft wurden und damit degradiert wurden, ehe sie wieder zur Frontbewährung freigestellt wurden. Es war also nichts Ungewöhnliches, wenn man etwa einen einfachen Flieger mit dem Deutschen Kreuz in Gold und weiteren Orden im Kreise von Generalstabsoffizieren sah. Unter uns galt dieses Delikt keinesfalls als ehrenrührig, bestenfalls als Ungeschicklichkeit.

 

(*) Anm. des Redakteurs: Nach § 92 wurden Piloten verurteilt, welche mit ihren Maschinen unnötige und riskante Handlungen vornahmen und somit das teure Kriegsgerät gefährdeten. Dies war z.B. der tiefe Überflug mit Rolle über dem Heimatdorf oder, was sehr häufig vorkam, über dem Wohnhaus der Freundin. ;-)

 

Hier waren Frontflieger aller Luftfahrt-Truppenteile vertreten, nicht nur Jagdflieger. Für uns war dies ein gewaltiger Nachteil. Stukas, Nah- und Fernaufklärer, Bomberpiloten und deren Besatzungen wurden je nach Dienstgrad behandelt. Die  obligatorische Gleichgewichtigkeit, wie sie bei den Jägern gang und gäbe war, kannte man hier nicht. Der Umgang war zwar lässig, manchmal geradezu herausfordernd, von allgemeiner Fliegerkameradschaft aber war hier nicht viel zu merken. Es bildeten sich eigene Gruppen, die lieber unter sich bleiben wollten. Wenn ich sah, wie Bomberpiloten sich mit der eigenen Mannschaft nur in förmlichem Komißton unterhielten – wenn es dazu überhaupt einmal kam – war ich heilfroh, einen anderen Weg eingeschlagen zu haben.

 

Eine Episode aber möchte ich hier noch einfügen. Es gab in Quedlinburg eine ganz hervorragende Damen-Tanzkapelle, die uns täglich nach Wunsch aufspielte. Einer der bekanntesten Schlager war: „Heimat, deine Sterne“. An einem Tisch hatten sich die bereits erwähnten Degradierten zusammengefunden. Einer von diesen bestellte ein neues  Stück und das hieß dann: „Heimat, wo sind unsere Sterne“. Das Hallo kann man sich vorstellen, als die Kapellmeisterin bekanntgab, dass dieses Stück sich zwölf Flieger mit einer Gesamtdienstzeit von 86 Jahren bestellt hatten. Dass sie fast ausschließlich Jäger waren, liegt wohl in der Tatsache begründet, dass meist nur diese die Möglichkeit zu gelegentlichen „Abstechern“ hatten. Unter den acht Genannten waren allein zwei Ritterkreuzträger!

 

Ansonsten gab es hier ein dauerndes Kommen und gehen. Spötter nannten diese Sammelgruppe einfach „Gammelgruppe“ und trafen damit den Nagel auf den Kopf. Man kam sich vor wie in einem Wartesaal eines großen Bahnhofes. Die zugewiesenen Zimmer waren zwar reinlich aber spartanisch eingerichtet. Die Koffer bzw. Fliegerkleidersäcke lagen meist gepackt auf den Spinden und man entnahm ihnen das gerade Gebrauchte, um sie gleich wieder zu verschließen. Man war sozusagen immer auf dem Sprung.

Bedingt wehrfliegertauglich?  

Ich hatte einen Termin beim Arzt. Der las meine Krankenhaus-Entlassungspapiere durch und meinte abschließend: wehrfliegeruntauglich. Das war ein Hieb, der mich hart traf. Vielleicht glaubte er, mir damit einen großen Gefallen erwiesen zu haben. Sicher gab es unter uns etliche, denen dieses Urteil gerade recht gekommen wäre. Nicht so bei mir. Ich wollte doch so bald wie möglich wieder in die Luft. Deshalb fragte ich ihn, ob da für mich nicht irgendeine Chance zu finden sei, die mir zumindest die Möglichkeit einer Wiedereingliederung offenließ. Vermutlich hatte dieser Stabsarzt dergleichen noch nicht oder zumindest nicht oft erlebt. Nach einer längeren, sehr offen geführten Unterhaltung, schien ich ihn dann doch noch umgestimmt zu haben und er milderte sein Urteil in „bedingt wehrfliegertauglich Heimat“ um.

 

Das hörte sich schon besser an, obwohl ich mir dabei keine Vorstellung machen konnte. Auf jeden Fall hieß es vorläufig: Jagdfliegerei ade. In meiner Verzweiflung hatte ich mich an meine alte Einheit in Paris Villacoublay gewandt. Drei Tage später erhielt ich vom ZbV Ltn Zahn einen ausführlichen Brief mit weiteren Genesungswünschen. Sie hatten bis dahin von meinem Missgeschick noch nichts erfahren. Böhm und zwei Obfw. Hatten zwischenzeitlich das Ritterkreuz erhalten, ansonsten seien die beiden Staffeln bereits mehrfach neu aufgefüllt worden. Seit unserer gemeinsamen Zeit seien fünf Totalausfälle zu verzeichnen gewesen. Ich konnte mich an alle noch erinnern. Von den Kameraden, die mit mir auf Lehrgang geschickt worden waren, war keiner zur alten Einheit zurückgekehrt. Abschließend versprach er, sich nach Kräften für mich zu verwenden.

Einsatz unter Hauptmann Heinz Rühmann 

Vermutlich hat er sein Wort schon bald eingelöst, denn eine Woche später erhielt ich die Nachricht von meiner Versetzung zur Ergänzungsjagdgruppe Ost im JG 52. Ich kam nach Breslau Hartlieb. Das fliegende Personal dort setzte sich mehr oder weniger aus Rekonvaleszenten oder ehemaligen überalterten Fluglehrern zusammen. Mein Chef war Heinz Rühmann, bekannt aus „Quax, der Bruchpilot“. Vorsorglich warnte man mich davor, diesen möglichst nicht anzugrinsen. Das könne er nicht leiden und es bekäme jedem teuer zu stehen, der sich da nicht beherrschen könne. Also sah ich in ihm auch nur den Chef, Hauptmann Rühmann.

 

Der Dienst dort erinnerte mich an eine Art Spedition oder Taxi-Unternehmen. Da man mir wegen der eingeschränkten Belastbarkeit keine schnellen Maschinen geben durfte, lernte ich den Fieseler Storch kennen. Ich hatte schon immer Lust, diesen sagenumwobenen Langsamflieger einmal selbst zu testen, aber noch nie Gelegenheit dazu erhalten. Jetzt begeisterte mich dieser aber geradezu.

Der Fieseler Storch 

Mein erster Auftrag ging nach Riga, der lettischen Hauptstadt. Ein wichtiger Teil war von dort nach Erding bei München zu befördern. Die Wichtigkeit brauchte man mir nicht sonderlich zu erklären, sie ergab sich allein schon daraus, dass das Teil per Kurier befördert werden musste. Es war für mich wieder der erste Überlandflug und ich genoss ihn fast wie den ersten Alleinflug. Bei meinen Zwischenlandungen demonstrierte ich mit Vorliebe ganz kurze Landeanflüge und ebensolche Starts.  Auf dem Rückflug hatte ich aber derartigen Gegenwind, dass ich bei einem Anflug auf Iglau über dem Landekreuz in zwanzig Metern Höhe zum Stehen kam, ja mich sogar rückwärts bewegte. Man schoss mir rot vor, das hieß Landeanflug abbrechen. Also versuchte ich einen erneuten Anflug. Ich musste richtig gegen den Wind ankämpfen, zog mich in Bodennähe bis an das Landekreuz heran, konnte das gas aber nicht ganz wegnehmen, da ich sonst wieder rückwärts entschwunden wäre. Also ging ich mit Halbgas an den Boden heran und kam, direkt auf dem kreuz, mit stehenden Rädern aber immer noch erhobenem Schwanz zum Halten. In dieser Lage musste ich verweilen bis etliche Leute zu Hilfe kamen, sich an die Verstrebungen hängten und mich zur Halle schoben.  

 

Ich erwähne das, weil das auch für mich eine völlig neue Erfahrung war. Als ich in Pilsen neu aufgetankt hatte, ging es über den Böhmer- und Bayerischen Wald. Der Wind war zwar nicht mehr so stark wie in Iglau, aber dafür richtig böig. In einer schnelleren Maschine hätte man das wahrscheinlich gar nicht mitbekommen, so aber ging es schon gewaltig auf und ab und ich merkte ganz schnell ein Aufkommen von Übelkeit, die ich schließlich nicht mehr unterdrücken konnte. Ich musste mich übergeben. Im Nu waren die Instrumente nicht mehr zu erkennen und bei diesem Übelsein musste ich noch gewaltig ins Steuer greifen. Erding hatte ich dann doch noch erreicht und für einen Träger Bier an die Techniker auch wieder eine saubere Maschine für den Rückflug.

 

Dieser Flug gab mir zu denken. Nie zuvor hatte ich ähnliche Gefühle gekannt. Ich brachte es mit meinem Unfall in Verbindung und vertraute mich einem Arzt an. Dieser meinte, ich sei zu früh nach meinem Unfall flugtauglich geschrieben worden und wollte dies sofort abändern. Ich ersuchte ihn, dies vorerst noch so zu belassen und weitere Erfahrungen abzuwarten. Seit diesem Vorfall beobachtete ich mich selbstkritisch. Zum Erbrechen kam es zwar nicht mehr, wohl aber des öfteren, besonders an heißen Tagen, zu Kopfschmerzen und allgemeinem Unwohlsein.

 

Besonders merkte ich das wieder, als ich einen Major mit einer Me 108 über die Ardennen flog. Ich war vor englischen Jägern gewarnt worden, die sich ab und zu bis in diese gebiete gewagt hatten und flog entsprechend tief, dass ich schon ab und zu höherragende Wipfel köpfte, bis mich der Major fragte: „Kommen Sie wohl aus der Jägerei?“ Als ich ihm das bejahte, schien ihn das zu beruhigen.  Wenn der gewusst hätte, welche Angst ich ausgestanden hatte, nur nicht wieder mein ganzes Essen zu verlieren. In Les Bourges hatte ich ihn abgeladen und mich in der Kantine reichlich mit französischen Spezialitäten eingedeckt...

Ju 52 und He 111

...Weitere drei Wochen vergingen mit immer dem gleichen Trott, bis auf eine Ausnahme. Es befanden sich mehrere Ju 52 und He 111, teils ausgemustert, am Platz, allein an fliegendem Personal war großer Mangel. Das Angebot, mich darauf umschulen zu lassen, nahm ich gerne wahr. Es bedurfte schon einer gewaltigen Umstellung,, von einem Flitzer in einen quasi Möbelwagen umzusteigen. Machte aber trotzdem riesigen Spaß. Zwei Aufträge konnte ich schließlich mit einer He 111, einen nach Warschau, einen anderen nach Wienerneustadt, durchführen. Wie gesagt, es waren bereits abgewrackte Muster, ohne jegliche Bewaffnung. Als Kuriermaschinen aber erfüllten sie dennoch ihren Zweck.

 

Ich wurde wieder einmal zum Fliegerarzt zitiert. Man wollte meine Tauglichkeit erneut überprüfen. Ein Resultat erfuhr ich nicht, wohl aber, dass ich wieder einem Frontverband zugeteilt würde. Als letzten Auftrag in dieser Einheit hatte ich einen Frontberichterstatter von Warschau mit einer Klemm 32 nach Rostow – am nördlichen Teil des Assowschen Meeres gelegen – zu fliegen. Es war ein Münchner, mit welchem ich daraufhin bis Kriegsende Kontakt pflegte. Ich werde auf diesen noch später zu sprechen kommen.

Endlich wieder zurück ins Cockpit der Bf 109

Der Abschied von der Truppe des Hptm. Rühmann fiel mir nicht schwer, zumal ich wieder zu einer Me 109-Einheit nach Frankreich versetzt wurde. Einer Einheit, die zum Schutze der Westküste Frankreichs am Atlantik lag. Der Platz hieß Saint Jean dÀngely und lag am gleichnamigen Ort mit vielleicht vier- bis fünftausend Einwohnern. Der Horst bestand nur aus mehreren langgestreckten Baracken, mit jeweils Einzelzimmern für das fliegende Personal. Eine Baracke für die Verwaltung und drei überdimensionale Wellblechhangars, davon eine für die eigene Werft. Ich wurde herzlich willkommen geheißen von Hptm. Lommel und stellte mit Beruhigung fest, die Jagdfliegerei war immer noch das, was mir in Paris so gut gefallen hatte. Eine verschworene Gemeinschaft von Individualisten und enthusiastischen Flugbegeisterten, von welchen sich keiner in irgendeiner Weise von anderen abzugrenzen versuchte.  Am Abend wurde ich im Kasino vorgestellt und ich staunte, als ich hörte, dass man allgemein von meinem Unfall informiert war. Ich wurde wie ein Wiederauferstandener betrachtet. Für mich stand momentan noch keine eigene Maschine bereit, was ich auch nicht erwarten konnte. Vorerst sollte ich mich mit den Platzverhältnissen vertraut machen und meine neuen Kameraden kennenlernen.

Aktuelles

+++neueste Nachrichten+++

2019 konnten wir uns zum nun dritten Mal den Titel zum

1. Deutschen Meister 2019

sichern

+++neueste Nachrichten+++

Eggenfelden hat uns heute, am 14.03.2019 zur Sportlerehrung eingeladen. Zusammen mit unseren Teamkollegen Anna und Herbert Lehner (Gyro Team) wurden wir für unsere Erfolge in der DM 2018 geehrt. Eine schöne Veranstaltung mit viel Aufwand arrangiert vom Stadtrat und dem Bürgermeister Herr Wolfgang Grubwinkler. Besonders gefreut hat uns, dass der Vereinsvorstand vom DGFC, Ludwig Stinglhammer auch mitgekommen ist.

Danke an die Stadt Eggenfelden für die Einladung!

+++ Nachrichten+++

Am Freitag den 14.09.2018 wurden wir vom Tegernheimer Bürgermeister zur Sportlerehrung eingeladen. Vielen Dank für die Würdigung und die gelungene Veranstaltung Herr Kollmannsberger!

+++Nachrichten+++

Die

30. Deutsche Meisterschaft

im UL-Fliegen 2019

findet in Mühldorf am Inn statt.

 

+++Nachrichten+++

auf einem rund-um gelungenen Wettbewerb wurden wir:

 

1. Deutscher Meister 2018

 

+++Nachrichten+++

schaut mal auf der blog-spot-Seite vom Verband rein, hier gibts genauere Informationen über die Deutsche Meisterschaft aus erster Hand:

+++Nachrichten++++++

man braucht nicht unbedingt Motorkraft um glücklich zu fliegen

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© Ruth Hahn-Rieger und Reinhold Rieger (ReiR)