Der Fieseler Storch im Kriegsdienst

von der Ostfront heim im Fieseler Storch ...und der §92

1943, an der Ostfront in Armawir, einer Kleinstadt am Kuban gelegen

 

 ... wir waren gerade beim Mittagessen da heulte die Sirene und fast zur gleichen Zeit hörten wir Flugzeuggeräusche. Zu spät für uns, um noch zum Platz zu gelangen. Als unsere Flak zu schießen begann, hörten wir auch schon zahlreiche Bombeneinschläge. Das bereits angesprochene Manko für uns war, dass wir nach Osten keinerlei Luftwarnung hatten. Die vorher dort stationierten wenigen Einheiten waren alle zur Entlastung der 6. Armee in  nördlichere  Gefilde verlegt worden, so dass wir zu jener Zeit eigentlich auf mehr oder weniger verlorenem Posten verharrten. Hier hatte wir die Quittung für unsere Aktion vor drei Tagen erhalten.

 

Die 109 -am Boden zerstört

Zehn Minuten später am Platz angekommen sehen wir, welches Unheil dieser Angriff gestiftet hatte. Eine Flakstellung war total ausgeschaltet worden, von einer zweiten waren zwei Soldaten verwundet worden, meine Maschine (Me 109) steckte mit der Nase in einem Bombenkrater, zwei weitere mussten als Totalverlust gemeldet werden und der Hauptholm des Storchs war durch einen Bombensplitter zur Hälfte durchschlagen. Auch unsere Taifun wies starke Deformierungen an Flächen und Rumpf auf. Major Wagenknecht war ein völlig geknickter Mann. Er schien mir um Jahre gealtert. Er sagte nur: „Das ist Krieg, meine Herren, beginnen wir gleich mit den Aufräumungsarbeiten.“

 

Und so beteiligte sich jeder sofort daran, egal welchen Dienstgrad er hatte. Zunächst versuchten wir, den Platz wieder zu nivellieren, damit die noch flugfähigen Maschinen bei Bedarf wieder eingesetzt werden konnten. Die eigene Maschine hatte jeder selbst zu kontrollieren und eventuelle Beschädigungen zu melden, damit diese bevorzugt behoben werden konnten. Aber da waren nur kleinere Blessuren  zu melden, die auch keiner sofortigen Reparatur bedurft hätten. Die total einsatzunfähigen, wozu auch meine gehörte, wurden zunächst noch weiter vom Platz entfernt, eine Abdeckung benötigten diese nicht mehr. Zwei Tage dauerte es, bis wir den Platz wieder soweit hergerichtet hatten, dass er für uns benutzbar war. Die Techniker waren inzwischen mit der Demontage der beschädigten Jäger beschäftigt, aus welchen sich immerhin noch verschiedene Ersatzteile entnehmen ließen, an die man von Jahr zu Jahr immer schwieriger herankam. Bei einer war zum Beispiel der ganze Motor unbeschädigt und nur die Zelle von Splittern durchschlagen. Alle Instrumente wurden ausgebaut. Dies auch beim Storch, der mit halbem Holm wohl kaum noch flugtauglich sein konnte. So viel Geschäftigkeit hatte ich bisher noch auf keinem anderen Flugplatz gesehen. Abends waren wir alle total geschafft und fielen nur noch in unsere betten. Maj. Wagenknecht war voll des Lobes. Das durfte er aber auch sein, selbst Bennewitz hatte sich Blasen an seinen Händen geholt.

 

Als die beiden an Ruhr erkrankten wieder zu uns zurückkamen, waren wir zu dritt ohne Maschinen Ein sofortiger Nachschub war nicht möglich, dazu fehlte es an entsprechend geschultem Personal, d.h. Piloten, die meistens nach kurzer Überführungstätigkeit an Fronttruppen weitergeleitet wurden, wo man sie dringend brauchte. Daraus konnte man aber auch schließen, dass es mit unserer Lufthoheit bei weitem nicht mehr so rosig aussah, wie noch ein Jahr vorher. Es mangelte nicht so sehr am Nachschub der Geräte als vielmehr an geschultem Personal. Damit begründete man auch die in letzter Zeit bei Luftkämpfen erlittenen enormen Verluste, die allerdings von der Heeresführung stets verschwiegen wurden. Eine zumindest im Osten sich anbahnende Misere, die nicht mehr übersehen werden konnte.

 

 Das wirkte sich auch insofern auf uns aus, als mehrere Angehörige unserer Einheit bereits seit vielen Wochen auf einen längst fälligen Urlaub warteten. Allein aus Mangel an Transportmöglichkeiten konnten sie diesen nicht antreten. Eisenbahnverbindung gab es von uns aus keine und dort, wo solche noch bestanden, waren sie den Rücktransporten von Verwundeten, die mit Ju`s jeweils zu den nächsten Bahnhöfen herangeflogen wurden, vorbehalten. Man konnte es als allgemeines Chaos bezeichnen, was sich zu der Zeit im Süden der Front abspielte.

Fieseler Storch -ausgeschlachtet und Holmbruch: Flugtauglich!

Als ich mir den mittlerweile ausgeschlachteten Storch unter die Lupe nahm  (was alle Instrumente betraf), war ich der Ansicht, man könnte ihn auch in diesem Zustand noch fliegen. Ich besprach das mit Pirzer, der aber davon nichts wissen wollte und mich an Maj. Wagenknecht verwies. Nach langen Überlegungen gab er schließlich seine Genehmigung zu einem Probeflug. Ich musste ihm nur versprechen, in absoluter Bodennähe zu bleiben. Dieses versprechen hielt ich auch einige Zeit, bis ich mich entschloss, Belastungsproben zu unternehmen. Dabei flog ich etwa 20 m hoch, ließ den Storch des öfteren bis in Bodennähe durchfallen um ihn hart aufzufangen.

 

Ich hätte das vorher selbst kaum geglaubt: Der Vogel hielt das alles aus. Da war in mir ein Vorschlag gereift: Ich fliege diesen Storch in eine deutsche Werft und hole mir gleich eine eigene Maschine. Pirzer lehnte dies ab und verwies mich wiederum an Maj. Wagenknecht. Der fand den Vorschlag zwar recht gut, das Risiko schien ihm aber zu hoch. Ich musste ihn erst bei einem weiteren Probeflug, bei welchem ich die mir selbst auferlegten Vorsichtsmaßnahmen beträchtlich überschritt, von der Durchführung meines Vorhabens überzeugen. Das gelang mir auch.  Gleiwitz gab ich als vorgesehenes Ziel an, da es die nächstgelegene deutsche Werft war. Natürlich auch mit Hintergedanken!

 

Als Wagenknecht den Flugauftrag dahin ausgestellt hatte, ersuchte ich ihn noch um eine Bescheinigung, dass ich als Jagdflieger unterwegs zu einer Übernahme einer neuen Einsatzmaschine war und somit den Vorteil einer bevorzugten Betankung genießen konnte. Auch diese bekam ich von ihm ausgestellt.

 

Kaum hatte man allgemein davon erfahren, waren auch schon Interessenten da, die gerne mitgenommen worden wären. Nach einigem Überlegen sagte ich einem Flak-Ogf., dessen Namen ich leider vergessen habe, zu. Er hatte einen Urlaubsschein nach Nürnberg in der Tasche, der ihm aber mangels Transportmöglichkeit, nichts genutzt hätte. Oltn. Pirzer konnte meine Entscheidung nicht verstehen und missbilligte sie auch. Ich musste diese Aktion also auf meine Kappe nehmen. Allgemein aber bezweifelte man, dass ich ohne Instrumentierung zurechtkommen würde. Ich hatte nur ein leeres Instrumentenbrett vor mir. Von dem Flak-Ogf. Verlangte ich nur, leichtes Gepäck mitzunehmen. Ich selbst versorgte mich noch mit einem vollen Kanister Sonnenblumenöl, zwei Gläsern Bienenhonig und einigen Wassermelonen. Damit war der Storch auch schon belastet genug.

Quer durch Russland -im Storch ohne Instrumente

Wir starteten am nächsten Morgen zeitig und ich freute mich über gutes Wetter, denn die Sonne war mein einziger Anhaltspunkt zu einer einigermaßen guten Navigation. Bis Krasnodar fand ich aber auch ohne sie. Dort tankte ich auf und nahm Kertsch ins Visier. Hierbei aber hatte ich mich um einige Grade verschätzt, als der Kuban sich mit den Lagunen des Assowschen Meeres vermengte und nicht mehr als Fluss erkennbar war. Auf einer glatten Wiese sah ich einige Menschen und erhoffte mir von diesen einen  Hinweis. Ich landete, ließ aber die Luftschraube laufen und im Nu waren an die zwanzig Leute mit Sensen und Rechen zur Stelle. Schnell stieg ich aus um sie vom Luftschraubenkreis fernzuhalten. Der Ogf. Stieg ebenfalls aus und ich ließ ihn mit meiner Kamera eine Aufnahme machen. Nach meinen in Tschechisch vorgebrachten Fragen schien man aber hauptsächlich „Kertsch“ verstanden zu haben und alle deuteten in die gleiche Richtung. Daraus  zog ich den Schluss, dass ich wohl zu weit nördlich abgekommen war. Sofort stiegen wir wieder ein und ich flog in die angegebene Richtung.

Spritmanagement und ein ahnungsloser Passagier...

Nach kurzer Flugzeit lag die „Straße von Kertsch“ schon vor mir., gute 10 km nur Wasser. Hier bekam ich ein recht mulmiges Gefühl, denn eine Wasserlandung hätten wir wohl beide nicht überlebt. Vorsichtig gingen wir auf eine Sicherheitshöhe von nahezu 1000 m und als zwei Drittel dieser Meeresstraße überwunden waren, atmete ich auf. Ein Gleitflug würde mich zumindest noch bis zum deutlich sichtbaren Ufer bringen.

 

Nach Osten hin fällt Kertsch aber sehr steil ab und erst hinter dem stark besiedelten Berghang befindet sich der Flugplatz. Als ich auch diesen in sicherer Reichweite wusste, konnten sich die Nerven wieder beruhigen. Dabei spreche ich aber von meinen nerven, denn der fliegerisch völlig unbedarfte Ogf. Hatte nicht die leiseste Ahnung von dem Risiko, das er mit mir teilte. Nach der Landung wollte ich zur Flugleitung zurückkehren, aber mein Storch war damit nicht einverstanden. Ihm war der „Saft“ ausgegangen. Ich hatte also den Platz gerade noch mit dem letzten Tropfen erreicht. Wieder einmal mehr Glück als Verstand gehabt!

 

So ein Risiko, versprach ich mir selbst, wollte ich nicht noch einmal eingehen und flog nach jeweiligen kurzen Tankstopps noch über Samorsk, Sinferopol, Sarabus und Melitopol bis Saporoschje. Auf diesem Platz war der Teufel los. Man veranlasste mich nach der Landung, schnell das Vorfeld zu verlassen, da andauernd größere Maschinen im Anflug waren. Hier wurden auch die meisten Verwundeten in Züge für den Weitertransport verladen. Auf der Flugleitung legte ich meine Bescheinigung zur bevorrechtigten Betankung vor. Daraufhin geleitete mich ein Uffz. zur Tankstelle und ich konnte volltanken. Für eine Übernachtung hatte man keinen Platz mehr. Wir legten uns beide unter die Maschine und konnten auch dort recht gut ausschlafen.

"Ober" sticht nicht "Unter" -das Privileg der Jagdfieger

Als ich   am nächsten Morgen wieder zur Flugleitung kam, sprach mich ein Flak-Ltn. an. Er verlangte von mir mitgenommen zu werden und als ich ihm erklärte, dass ich den Ogf. Schon als Passagier an Bord habe, verlangte er diesen abzusetzen. Ich verwies ihn nur auf mein Recht als Flugzeugführer und lehnte sein Ansuchen ab. Da aber wurde er dienstlich: „Ich gebe Ihnen den Befehl . . .“ Das wurde mir dann doch zu bunt. Ich meinte nur, er könne sich ja auf der Flugleitung beschweren. Ob er das tat, weiß ich nicht. Wir jedenfalls flogen zu zweit wie vorher weiter.

 

Dnjepropetrowsk, Kirowograd, Uman, Prosskurow und Lemberg. Die Navigation stimmte immer besser, zumal man sich jetzt des öfteren an Eisenbahnlinien orientieren konnte. In Lemberg bekamen wir ein Notquartier zugewiesen. Es fehlten uns nur mehr ca. 600 km bis ans Ziel.

Der §92 -keiner hats gemerkt...

Am nächsten Tag ging es über Milec nach Krakau, wo ich das letzte Mal auftankte um gleich darauf den Rest unserer Reise in Angriff zu nehmen. Da aber muss mich unterwegs der Teufel geritten haben. Ich vergaß den gefürchteten § 92, umflog den Gleiwitzer Platz ganz niedrig aber in gehörigem Abstand und landete unter einer Hochspannung hindurch auf einem freien Feld direkt vor unserem Haus. Ich stieg nur kurz aus um meine Mitbringsel auszuladen, da kamen auch schon Annelies, ihre Schwestern und etliche Nachbarn angelaufen. Ich schrie ihnen nur zu, dass ich gleich käme, stieg gleich wieder ein und landete auf dem Flugplatz. Ich hatte dabei ein sehr schlechtes Gewissen, dass man von meiner Außenlandung eventuell erfahren haben könnte. Im Moment aber schien das nicht der Fall gewesen zu sein. Von meinem Unternehmen war man von Armawir aus unterrichtet worden. Ich sollte mir am nächsten Tag meinen weiteren Marschbefehl abholen. Als ich dann noch erklärte, in Gleiwitz  verheiratet zu sein und deshalb um Verlassen des Platzes ersuchte, billigte man mir einen zusätzlichen Tag zu.  Den Obergefreiten als Fluggast sah ich nach der Verabschiedung nicht mehr

Aktuelles

+++neueste Nachrichten+++

2019 konnten wir uns zum nun dritten Mal den Titel zum

1. Deutschen Meister 2019

sichern

+++neueste Nachrichten+++

Eggenfelden hat uns heute, am 14.03.2019 zur Sportlerehrung eingeladen. Zusammen mit unseren Teamkollegen Anna und Herbert Lehner (Gyro Team) wurden wir für unsere Erfolge in der DM 2018 geehrt. Eine schöne Veranstaltung mit viel Aufwand arrangiert vom Stadtrat und dem Bürgermeister Herr Wolfgang Grubwinkler. Besonders gefreut hat uns, dass der Vereinsvorstand vom DGFC, Ludwig Stinglhammer auch mitgekommen ist.

Danke an die Stadt Eggenfelden für die Einladung!

+++ Nachrichten+++

Am Freitag den 14.09.2018 wurden wir vom Tegernheimer Bürgermeister zur Sportlerehrung eingeladen. Vielen Dank für die Würdigung und die gelungene Veranstaltung Herr Kollmannsberger!

+++Nachrichten+++

Die

30. Deutsche Meisterschaft

im UL-Fliegen 2019

findet in Mühldorf am Inn statt.

 

+++Nachrichten+++

auf einem rund-um gelungenen Wettbewerb wurden wir:

 

1. Deutscher Meister 2018

 

+++Nachrichten+++

schaut mal auf der blog-spot-Seite vom Verband rein, hier gibts genauere Informationen über die Deutsche Meisterschaft aus erster Hand:

+++Nachrichten++++++

man braucht nicht unbedingt Motorkraft um glücklich zu fliegen

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© Ruth Hahn-Rieger und Reinhold Rieger (ReiR)