Die dunkelste Seite der Fliegerei

Messerschmitt Bf (ME) 109 Emil

(ReiR) Für dieses Kapitel finde ich nur schwer einen passenden Einstieg. Fast alle männlichen Verwandten väterlicherseits kamen im Krieg in der Fliegerei ums Leben. Jagdflieger werden gerne heroisiert und heldenhaft gefeiert. Die das Glück hatten, den Krieg als Jagdflieger zu überleben hatten durchaus Grund zum Feiern. Nur 3 % überlebten diesen "Job" . Mein Vater sagte mal, dass die Lebenserwartung der Jagdflieger durchschnittlich 10 Einsätze bis zum Tod betrug. Viele überlebten den ersten Einsatz nicht, andere hielten länger durch. Zum Überleben gehörte das Töten anderer junge Piloten, die zum „Feind“ erklärt worden waren. "Abschussbalken" am Leitwerk sollten die Erfolge kundtun. Günther hat an seiner Maschine diese Abschußbalken nicht angebracht - bis er dazu ermahnt wurde.   Mein Vater hatte über seine Zeit als Jagdflieger im JG52 erst im hohen Alter kurz vor seinem Tod mit mir ausführlich darüber gesprochen, nachdem ich massiv nachbohrte. In einem handgeschriebenen Buch hat er mir seine Erinnerungen über diese Zeit aufgeschrieben. Die Zahl seiner Abschüsse hat Günther so nie erwähnt.

Er war froh, dass das Fliegen nach dem Krieg wieder Spaß machen durfte und diese grausame Zeit endgültig vorbei war. So folgte in den 60ern die PPL Fliegerei in Griesau mit mir als 4-jähriger im Copilotensitz und in den 70ern das Drachenfliegen in Steinerbrückel und Jachenhausen, wo ich 1980 mit 16 Jahren meine eigene Fliegerkarriere begann.

Mein Vater über seine Jagdfliegerausbildung:

..."Zum letzten Teil unserer Ausbildung wurden wir nach Eisenstadt am Neusiedler See verlegt. Dort, zwischen dem Leitha-Gebirge und dem See waren wir in Baracken untergebracht und fanden als Flugplatz ein großes Wiesengelände vor, auf welchem wir unsere Nachtflugübungen absolvieren sollten. Geflogen wurde auf den „Wellblechbombern“ FW 33 und FW 34, der B-Schein-Kategorie zugeordnet. Der Tag war lediglich ausgefüllt mit sportlichen Betätigungen, bei Einbruch der Dunkelheit aber ging es zum Platz. Dieser lag völlig im Dunkel und nur mittels unserer Landescheinwerfer vermochten wir bei Starts und Landungen Höhe und Geschwindigkeit abzuschätzen. Beim Flug selbst durften diese aber nicht verwendet werden. Es waren auch für mich ganz neue Erfahrungen. Dass wir dabei des öfteren auch die ungarische Grenze überflogen und dabei über einer erleuchteten Kaserne die dortigen Soldaten sehen konnten, war zwar verboten, wurde aber selten von uns eingehalten und nie beanstandet, da wir zu den längeren Landeanflügen als das tagsüber möglich war, eben auch weiter ausholen mussten. Das sah man höherenorts auch ein. Wir hatten zu diesem Zwecke auch andere Fluglehrer bekommen, da unsere bisherigen bereits mit Schülern der uns folgenden Gruppen eine neue Herausforderung angenommen hatten.

Günther Rieger stehend 3.v.L.

mit Fliegerdolch

Wir waren noch vor diesem zusätzlichen Kurs bereits fertig ausgebildete Piloten, hatten unseren Schein auch schon in der Tasche, durften also das Flugzeugführerabzeichen tragen und – worauf wir besonders stolz waren – auch statt Seitengewehr einen Fliegerdolch. Von den ursprünglich 28 Schülern waren noch ganze 18 übrig geblieben. Davon waren zwei Todesfälle und acht Ablösungen, meist wegen fliegerischer Untauglichkeit, zu verzeichnen. Unsere Wünsche bezüglich weiterer Verwendung durften wir zwar vortragen, letztlich aber waren die Beurteilungen unserer Lehrer ausschlaggebend. So hatten zum Beispiel diejenigen, die zwar beim Kunstflug sich zögerlich zeigten, dafür aber im Instrumentenflug hervorstachen, die Aussicht auf eine weiterführende C-Schulung. Diese diente  als Grundlage für einen späteren Einsatz als  Bomber- oder Fernaufklärer. Andererseits waren gute Kunstflieger eher für die Jagdfliegerei zu verwenden. Wo keines dieser Merkmale besonders hervorstach, blieb eine Verwendung als Stuka oder aber auch als angehender Fluglehrer bestehen.

 

Die Ausbildung bis dahin war ja nicht nur sehr zeitaufwändig gewesen. Sie hatte auch eine beträchtliche Summe Geld dem Staat abverlangt und diese Investition sollte sich schließlich doch lohnen. So trennten sich dann auch nach endgültigem Abschluss die Wege. In alle Himmelsrichtungen wurden wir versetzt und nur fünf meiner Kameraden aus der gleichen Schulung traten mit mir den gemeinsamen Weg zur Ausbildung als Jagdflieger an. Darunter ein Südtiroler, der als einziger Überlebender nach dem Krieg von mir noch entdeckt werden konnte. Erwino Welponer aus Bozen. Er trägt jetzt eine Silberplatte unter seiner Stirnhaut!"

"...Lachen-Speyerdorf hieß die nächste Station. Es liegt bei Neustadt an der Weinstraße, Nähe Mannheim. Der Empfang war nicht sonderlich freundlich. Zunächst wurde uns unmissverständlich klargemacht, dass wir uns hier wieder als blutige Anfänger zu betrachten hätten. „Die hier ist eine Jagdflieger-Vorschule, die Voraussetzungen zur Teilnahme an der Jagdfliegerschule aber müssen Sie sich hier selbst erarbeiten. Ich weise euch darauf hin, dass nicht ein jeder von euch schon das Privileg dafür in der Tasche hat.“ Sinngemäß  war die erste Begrüßung. Also waren wir noch nicht einmal Jagdflugschüler sondern Jagdflug-Vorschüler. Dies wurde uns auch unentwegt eingehämmert, bis wir unsere eben erst errungenen Meriten rasch wieder vergessen hatten.

 

Zunächst wollte man sich erst einmal ein Bild von unserer Körpertauglichkeit machen, wobei man immer wieder Mutproben einflocht. So besuchten wir zum Beispiel das Schwimmbad. Nicht aber nur zum Schwimmen. Wir mussten vom 3-Meter-Brett einen Abfaller rückwärts mit angelegten Händen vorführen. Auch ich hatte vorher noch nie derartiges versucht, dennoch klappte es ganz gut. Viele andere sprangen vorher ab und landeten beidbeinig oder rissen im letzten Moment doch noch die Arme zum Schutze hoch. Das alles wurde wohl irgendwie bewertet. Ähnliche Mätzchen waren an der Tagesordnung, bis es zur fliegerischen Sichtung kam. Der Focke-Wulf „Stößer“ (die FW 76) kam zum Einsatz. Ein sehr stabiler Hochdecker, voll kunstflugtauglich. „Und nun zeigen Sie uns einmal, was Sie auf der A-B-Schule im Kunstflug gelernt haben.“

 

 Das war die Aufforderung, auf welche ich schon gewartet hatte. Hier wollte ich mich beweisen und meldete mich gleich als erster. Das hätte ich  lieber nicht tun sollen. Ich flog das komplette Kunstflugprogramm, das ich auch zur Prüfung gezeigt hatte durch und war sowohl mit mir selbst als auch mit dem Stößer – den ich dabei zum ersten Mal flog – recht zufrieden. Eine saubere Landung schloss dann meine Vorführung ab. Ich erwartete ein Lob und bekam dafür eine vernichtende Kritik, die ich zunächst nicht fassen konnte. „Was Sie hier gezeigt haben ist nur fürs Auge, nicht aber für einen angehenden Jagdflieger geeignet. Wenn Sie weiterhin so fliegen, sind Sie der Erste, der vom Feind heruntergeholt wird. Ein Stößer ist mit keiner noch so gerissenen Figur in der Luft zu demontieren, merken Sie sich das alle. Wir verlangen, dass Sie uns die Grenzen Ihrer Leistungsfähigkeit zeigen, keine ausgefallenen Kunststückchen!“

 

 Das war`s dann auch schon. Zorn und Schmach vermischten sich bei mir. Hätte ich das nur vorher gewusst! Mein Selbstbewusstsein erhielt einen schweren Knacks und erholte sich erst wieder, nachdem ich die Beurteilungen derjenigen mit anhörte, die nach mir zum Zuge gekommen waren. Man war mit keinem von uns zufrieden. Das war aber wohl auch der Sinn der ganzen Vorfliegerei. Man  wollte uns, alle auf gleiche Stufe gestellt, auf diese Art zu Höchstleistungen anspornen und das gelang ihnen im Verlaufe der nächsten Zeit auch hervorragend. Man wies und darauf hin, dass das Werk Focke-Wulf eine Prämie demjenigen zu zahlen bereit ist, der diese Maschine in der Luft zu "zerlegen" vermag. Es sollte noch keinem bisher gelungen sein. Das hörte sich schon einmal gut an.  Ich nahm mir vor, dieses beim nächsten Start schon zu versuchen. Aber was ich auch versuchte, der Stößer zeigte sich wirklich stabil und die Fluglehrer waren zufrieden..."

Auf der Jagdflugschule Herzogenaurach mit der späteren Legende Marseile

v.l.n.r. Mertens, Marseile, Heber, Heeg, Vater

"...Was uns zunehmend erschütterte, waren die seitenlangen Todes- und Vermisstenanzeigen in den einzelnen Tagesblättern, die so gar nicht zu den jeweiligen Siegesmeldungen zu passen schienen. Vereinzelt erfuhren wir auch vom Ableben einiger uns bekannter Kameraden aus früheren Lehrgängen, bedauerten diese und vergaßen sie bald.

 

Heute ist mir das unverständlich, wie schnell man so abstumpfen konnte. Mag sein, dass die täglich erneute Herausforderung – sowohl was den Geist als auch den Körper betraf – bereits gewisse Verschleißerscheinungen zeitigte oder aber die alltägliche Konfrontation  mit diesem schon jahrelangen Kriege durch Presse und Rundfunk die Gemüter abstumpfen ließ. Es wird mir ein Rätsel bleiben.

 

Die nächste Versetzung sollte die letzte vor dem endgültigen Einsatz werden. Es war die Jagdfliegerschule 4, Fürth, der Flugplatz war in Herzogenaurach. Und wieder einmal waren wir alle Schüler. Diesmal aber schon Jagdschüler, die alle auf den ersten Einsatz mit einer Messerschmitt Me 109 brannten."

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Aktuelles

+++neueste Nachrichten+++

2019 konnten wir uns zum nun dritten Mal den Titel zum

1. Deutschen Meister 2019

sichern

+++neueste Nachrichten+++

Eggenfelden hat uns heute, am 14.03.2019 zur Sportlerehrung eingeladen. Zusammen mit unseren Teamkollegen Anna und Herbert Lehner (Gyro Team) wurden wir für unsere Erfolge in der DM 2018 geehrt. Eine schöne Veranstaltung mit viel Aufwand arrangiert vom Stadtrat und dem Bürgermeister Herr Wolfgang Grubwinkler. Besonders gefreut hat uns, dass der Vereinsvorstand vom DGFC, Ludwig Stinglhammer auch mitgekommen ist.

Danke an die Stadt Eggenfelden für die Einladung!

+++ Nachrichten+++

Am Freitag den 14.09.2018 wurden wir vom Tegernheimer Bürgermeister zur Sportlerehrung eingeladen. Vielen Dank für die Würdigung und die gelungene Veranstaltung Herr Kollmannsberger!

+++Nachrichten+++

Die

30. Deutsche Meisterschaft

im UL-Fliegen 2019

findet in Mühldorf am Inn statt.

 

+++Nachrichten+++

auf einem rund-um gelungenen Wettbewerb wurden wir:

 

1. Deutscher Meister 2018

 

+++Nachrichten+++

schaut mal auf der blog-spot-Seite vom Verband rein, hier gibts genauere Informationen über die Deutsche Meisterschaft aus erster Hand:

+++Nachrichten++++++

man braucht nicht unbedingt Motorkraft um glücklich zu fliegen

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© Ruth Hahn-Rieger und Reinhold Rieger (ReiR)